Fuß- und Radverkehr strukturell fördern

Fuß- und Radverkehr strukturell fördern

Die Klimaziele von Paris sind einzuhalten. Aber es wird zu wenig getan. Die bisherigen Maßnahmen sind unzureichend – das ist kürzlich vom Bundesverfassungsgericht bestätigt worden.

Die Förderung des Umweltverbunds aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr ist entscheidend für die Verringerung des CO2-Ausstoßes im Mobilitätsbereich. Deshalb ist es gut und richtig, dass der Senat die Stärkung und Verbesserung des ÖPNV anstrebt. Aber Bremen hat einen seit Jahren stagnierenden Radverkehrsanteil von 25%. Daher ist die strukturelle Förderung des Fuß- und Radverkehrs entscheidend für das Gelingen der Mobilitätswende in Bremen. Die Erhöhung der Finanzmittel für den Radverkehr auf teilweise das Vierfache und die Schaffung eines Fußverkehrsetats (den die unterzeichnenden NGO in ihrem Fußverkehrsmanifest gefordert haben) sind positive Zeichen eines notwendigen politischen Willens. Durch die Schaffung des Teams Nahmobilität und vorher der Radverkehrsbeauftragten beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) sind auch personelle Veränderungen positiv zu bemerken.

Bei einigen Radverkehrsprojekten ist jedoch festzustellen, dass sich trotz Beschlüssen und finanzieller Ausstattung die Umsetzung signifikant verzögert. Der Wallring nimmt Konturen an. Das ist auch dem geschuldet, dass die Umsetzung bis Ende 2022 erfolgen muss. Ohne Anschlüsse und durchgängige Radverkehrsrouten wird der Wallring nur einen Teil der gewünschten Wirkung entfalten.

Die zentrale Radpremiumroute D 15 von Bremen-Nord bis Mahndorf ist inzwischen in einigen Teilen hergestellt. Eine Gesamtablaufplanung ist nicht wie angekündigt vorgelegt worden. Die Umsetzung der Radpremiumroute D 16 von Lilienthal bis Huchting ebenso wie der weiteren 2014 im Verkehrsentwicklungsplan beschlossenen Premiumrouten erfolgte bislang nicht. Bei den Innenstadtfahrradbrücken, der Fahrradbrücke Hemelingen/Mahndorf sowie der Fuß-/Fahrradbrücke Woltmershausen zur Überseestadt sind die Projektfortschritte trotz des politischen Willens bei weitem nicht so wie erwartet.
Um die Umsetzung der politischen Beschlüsse zum Fuß- und Radverkehr zu beschleunigen, halten wir eine personelle Stärkung der Bereiche Projektkoordinierung, -steuerung und -controlling geboten. Wir erwarten, dass durch eine(n) unabhängige(n) Fuß- und Radverkehrsbeauftragte bzw. eines –beauftragten hierbei Fortschritte erzielt werden. Eine eigene Fuß- und Radverkehrsabteilung im ASV wäre ein weiterer Vorschlag, den wir
für zielführend halten. Berlin hat gute Erfahrung mit einer Radverkehrsinfrastrukturgesellschaft namens Infravelo gemacht. Das sollte man ernsthaft auch in Bremen prüfen.

Unsere Beschlüsse und Forderungen:

1. Wir unterstützen alle Bemühungen zu einer beschleunigten Umsetzung der politischen Beschlüsse zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs und der multimodalen Verknüpfungen mit öffentlichem Nahverkehr sowie Car- und Bikesharing.

2. Wir unterstützen die Planungen für den Wallring und fordern eine zügige Umsetzung. Dies ist ein ausgesprochen modellhaftes und zukunftsweisendes Projekt. Das Agieren von Lobbyorganisationen der Wirtschaft gegen ihre eigenen Beschlüsse innerhalb des VEP 2014 halten wir für unverantwortlich.

3. Wir fordern die beschleunigte Planung und Umsetzung der Fahrradbrücken und mindestens der Radpremiumrouten D 15 und D 16.

4. Wir fordern die Vorlage oder Neufassung von Richtlinien für Standards und die Gestaltung von Fahrradstraßen, der Anlage von Fahrradparkplätzen sowie von Radpremiumrouten. Dringend erforderlich ist eine Richtlinie für die Führung von Fußund Radverkehren in Baustellen. Die Zuständigkeiten sollten bei den Baustellen vereinheitlicht werden.

5. Wir fordern eine strukturelle und personelle Stärkung des Fuß- und Radverkehrs in den Bereichen Planung, Controlling und Steuerung. Wir fordern daher eine personelle Aufstockung des „Teams Nahmobilität“ und schlagen darüber hinaus eine(n) unabhängige(n) Radbeauftragte(n) angesiedelt bei SKUMS bzw. eine Abteilung für Fuß- und Radverkehr beim ASV oder eine eigene Radinfrastrukturgesellschaft vor.
Wir beteiligen uns gerne konstruktiv an einem Prozess.

6. Zur Gewinnung von dringend benötigten Fachkräften ist die Lehre an der Hochschule Bremen zu stärken. Zusätzliche Studiengänge und Professuren für die Bereiche Fuß- und Radverkehr, Barrierefreiheit sowie öffentlicher Nahverkehr sind einzurichten, bevorzugt auch als duale Studiengänge.

Die Unterzeichner*innen: Autofreier StadTraum, ADFC Bremen, BUND Bremen, Einfach Einsteigen, FUSS e.V. Bremen, Forum Verkehrswende Neustadt, VCD Bremen

Die EMW 2021

Unser Resümee

Am Mittwoch ging die Europäische Mobilitätswoche 2021 mit einem spannenden Talk zum Thema „Räume neu erfahren“ auf dem Martiniplatz zu Ende. Die letzte von rund 20 Veranstaltungen, die in diesem September in Bremen das Thema Verkehrsentwicklung und nachhaltige Stadtentwicklung auf verschiedenste Art behandelt haben.

Den offiziellen Schluss des Bremer Beitrags zur Europäischen Mobilitätswoche kommentiert Ralph Saxe, der Vorsitzende des autofreien Stadtraums e.V., der die Aktionen jedes Jahr koordiniert: „StadtRäume und StadtTräume anders und neu denken. Das heißt ausdrücklich Räume sich entwickeln lassen und Alternativen zu ermöglichen. Innenstädte brauchen Labore. Sie werden sich verändern müssen und brauchen das.“

Das Thema Innenstadtentwicklung ist in Bremen gerade besonders aktuell, da durch das Aktionsprogramm Innenstadt und die gleichzeitige Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans viele sichtbare Veränderungen stattfinden. Sei es der Rückbau verschiedener Straßenzüge zugunsten nicht motorisierter Verkehrsteilnehmender oder die Gestaltung des Domshofs durch das Open Space oder die Wiederbelebung der Kultur nach den Corona Lockdowns.

Es ist vieles in Bewegung und das hat sich nicht nur in den Themen und Debatten wiedergefunden, sondern konnte durch kulturelle Aktionen auch gelungen dargestellt werden. Bei der Storytelling Arena beim Zukunftstag vom Open Space zum Thema Mobilität waren die Menschen gefordert, eigene Erlebnisse zu erzählen und an anderer Stelle wurde ein symbolischer Eyecatcher installiert. Der sogenannte CO2 Ballon, der mit seinen 3m Durchmesser ein Volumen von 15 Kubikmetern Luft fasst und damit die Menge des täglichen CO2 Ausstoßes eines durchschnittlichen in Deutschland lebenden Menschen beschreibt, schwebte über dem Domshof.

Ob als Teilnehmer:in einer Fahrraddemo, sei es bei der Kidical Mass, der ADFC Hochstraßentour, dem Fancy Women Bike Ride oder der BIKE IT Film Night Ride, ob als Besucher:in einer der vielen Diskussionen und Informationsveranstaltungen, überall haben sich verstärkt interessierte Bürger:innen eingebracht und engagiert. „Uns haben das rege Interesse und die Reaktionen der Besucher:innen gezeigt, dass Stadt- und Verkehrsentwicklung längt kein Nischenthema mehr sind, sondern mitten im Bewusstsein der breiten Bevölkerung angekommen sind.“ folgert Susanne von Essen.

Nun sei die Aufgabe, die vielen positiven Ideen zur zukunftsweisenden Attraktivierung der Stadt weiter zu bewegen. Gesetztes Ziel: von den Schweizern und ihrer Flussschwimmen-Kultur (Swim City) lernen und die Weser in die City holen.

Grußwort von Maike Schaefer

Was ist dir wichtig?

Beteiligt euch an der Verkehrsentwicklung eurer Stadt

Wir brauchen eine menschengerechte Mobilitätswende – das haben bereits zahlreiche Metropolen weltweit erkannt und entsprechende Pläne auf den Weg gebracht. Auch in Bremen hat der Senat mit dem Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 einen ersten Grundstein für den nötigen ökologischen und sozial verantwortungsvollen Wandel gelegt.

Natürlich muss ein Plan immer wieder kontrolliert werden und das Vorgehen an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden. Dabei ist jede:r von uns ein:e Expert:in, wenn es um das Thema Verkehr geht, denn wir lassen ihn entstehen, wenn wir mobil sein wollen. Der Bereich Verkehr bei der Senatorin für Stadtentwicklung, Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungsbau (SKUMS) setzt daher auf unser aller Erfahrungen und Ideen bei der aktuellen Gestaltung der folgenden Maßnahmenpakete:

  • Mobilität in der Innenstadt
  • Busse und Bahnen
  • Anbindung Stadt und Region sowie
  • Parken in Quartieren

Das Ziel ist eine gesündere, leisere und umweltfreundlichere Stadt, in der wir alle bequem von A nach B kommen – am besten mit Verkehrsträgern des sogenannten Umweltverbundes, wie Bus und Bahn, Fahrrad oder zu Fuß.

Die Bremer Agentur Gruppe für Gestaltung hat ein spannendes Beteiligungsverfahren entwickelt, in dem sich Bremerinnen und Bremer sowie alle Interessierten bis zum 30. April einbringen können.
Schaut euch an, welche Ideen es bereits gibt und bewertet diese unter: https://www.bremen-bewegen.de/. So können die Verantwortlichen am besten einschätzen, wo ihre Pläne angepasst werden müssen.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

 

PS: Wer das hier gelesen hat und nicht mitmacht, der/die darf am Ende auch nicht meckern.